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August 27, 2026

Befreiung im Coaching - Vom Wovon zum Wofür

„Befreiung“ ist im Coaching ein wiederkehrendes Motiv.

Häufig erlebe ich im Coaching, dass eine Klientin oder ein Klient sich im Erstgespräch deutlich positioniert. Sie oder er will sich befreien! Und rasch wird auch klar, wovon: von der unerträglichen Situation im Büro; vom Druck, den die Balance zwischen Beruf und Familie erzeugt; von Existenzsorgen; von Abhängigkeit und häufig wiederkehrenden Mustern; oder von der langweilenden Mühle des Alltags… Wer könnte das nicht verstehen? Vermutlich kann jeder relativ schnell aufzählen, wovon er sich befreien will. Und natürlich können das gute Gründe sein, sich Unterstützung durch ein Coaching zu holen.

Manchmal endet dann der Weg, nachdem die Klientin oder der Klient herausgearbeitet hat, wie diese Befreiung realisiert werden kann. Dann gibt es einen Maßnahmen- und Zeitplan, der sich im großen und ganzen umsetzen lässt. Auftrag erledigt, Coaching erfolgreich? Vielleicht… Vielleicht aber auch nicht!

Das hängt davon ab, ob es im Herzstück des Coachings, der Bedürfnisermittlung, gelungen ist, herauszufinden, wohin die Klientin oder der Klient sich eigentlich befreien will. Also eben nicht nur wovon, sondern vor allem wofür und warum. Die Befreiung schafft ja im besten Falle Raum für Neues. Und dieser Raum sollte angeschaut und gefüllt werden mit Bedeutung, mit Lust und Leidenschaft, mit Klarheit und Ruhe, mit Entspannung oder Abenteuer.

Wenn dieser Schritt im Coaching gelingt, dann ist die Antwort auf die klassische Frage: „Woran wirst Du erkennen, dass Du Dein Ziel erreicht hast?“ eben nicht: „Daran, dass ich endlich meinen ungeliebten Chef los bin.“ oder „Daran, dass mein Partner nicht mehr so viel an mir rumnörgelt.“, sondern vielleicht: „Daran, dass ich mit einem Gefühl von Sinn aufwache und weiß, wofür ich mich einsetze.“ oder „Daran, dass ich mir selbst vertraue und meine Entscheidungen aus innerer Klarheit heraus treffe, nicht aus Angst oder Erschöpfung.“

Erst wenn die Zielformulierung positiv und unabhängig von anderen Personen oder äußeren Umständen beschrieben werden kann, ist die eigentliche Arbeit im Coaching getan. Denn eine Befreiung, die sich nur über das Fehlen von etwas definiert, bleibt fragil – sie hängt am Verhalten des Chefs, an der Stimmung des Partners, an Umständen, die sich jederzeit wieder ändern können. Eine Befreiung dagegen, die sich über ein selbstbestimmtes Bild der Zukunft definiert, trägt auch dann noch, wenn der ungeliebte Chef längst durch einen neuen ersetzt wurde, der eigene Zumutungen mitbringt.

Deshalb lohnt es sich, im Coaching nicht bei der ersten, oft plausiblen Antwort stehenzubleiben, sondern beharrlich weiter zu fragen: „Und wenn Du das erreicht hast – was hast Du dann? Was zeigt sich dann? Wer bist Du dann?“ Wenn darauf eine Antwort gefunden ist, die aus sich selbst heraus bestehen kann, ist die Befreiung, von der die Klientin oder der Klient zu Beginn sprach, vollständig – nicht nur ein Weg weg von etwas, sondern ein Weg hin zu sich selbst.

 

Ob es passt, zeigt sich im Gespräch.

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